Carey Nieuwhof

Natürlich willst du ein großartiger Leiter sein.

Die bloße Absicht allein reicht jedoch nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn es nur so einfach wäre!

Was kannst du nun dafür tun?

Eine Möglichkeit besteht darin, dir die Gewohnheiten und Eigenschaften der besseren Leiter anzusehen und sie mit den Eigenschaften jener Leiter zu vergleichen, die … nun, weniger gut sind.

Das kann dir helfen, deinen Kurs zu korrigieren, denn, wie du weißt, beginnt jede Leiterschaft mit Selbst-Leiterschaft.

Im Grunde genommen springen die meisten von uns zwischen den Merkmalen einer besseren und einer schlechteren Leiterschaft hin und her. Ich auch. An meinen guten Tagen bin ich besser. An meinen nicht so guten Tagen zeige ich eher die Eigenschaften nicht so guter Leiter.

Die gute Nachricht ist, dass du in all diesen Bereichen sofortige Anpassungen vornehmen kannst. Das wird zur Folge haben, dass du zu einem besseren Leiter wirst.

Und wenn du das über einige Zeit hinweg wiederholt tust, kannst du demonstrieren, was eine großartige Leiterschaft ist. Das ist das Ziel, richtig?

Gute Leiter werden fast immer aufgrund dessen gut, was sie gelernthaben zu tun, nicht aufgrund dessen, was sie von sich austun würden. Selbst wenn du eine natürliche Begabung für die Leiterschaft hast, werden dir das Leben, Rückschläge und, ja, auch die Sünde in die Quere kommen. Gute Leiter nutzen Rückschläge als eine Gelegenheit zu lernen, sich zu verändern und zu wachsen. Weniger gute Leiter halten einfach an ihren wenig hilfreichen Mustern fest oder rechtfertigen sie.

Hier sind fünf Eigenschaften, die großartige Leiter von anderen Leitern unterscheiden. Sie werden dir vielleicht etwas merkwürdig erscheinen, weil man größtenteils das Gegenteil annehmen würde.

1 Sie reden weniger und hören mehr zu.

Das widerspricht unserer Intuition, denn ich glaube, irgendwo in unserem Hinterkopf können wir uns leicht vorstellen, als Leiter so gut zu werden, dass uns das eines Tages zu Yoda macht: Wir sprudeln Weisheit hervor, während sich die Menschen zu unseren Füßen versammeln.

Aber die wirklich großartigen Leiter, die ich bisher getroffen habe, hören erstaunlich oft nur zu.

Die Tatsache, dass das Zuhören eine fantastische Fertigkeit für die Leiterschaft ist, hat mehrere Gründe.

Erstens: Es passiert leicht, dass man eine Situation falsch beurteilt. Mir passiert das ständig. Je länger man zuhört, umso mehr versteht man. Man nimmt Nuancen wahr. Man erfährt Zusammenhänge. Und während man zuhört, verändert sich oft, was man über eine Situation denkt.

Zweitens: Wenn man zuhört, hat die Person, mit der man spricht, das Gefühl, gehört zu werden. Niemand mag es, abgelehnt, verurteilt oder einfach stehengelassen zu werden. Wenn du mit jemandem sprichst, der redet, aber nie zuhört, wirst du dich letzten Endes genau so fühlen.

Drittens: Wenn du redest, lernst du nicht. Viele Leiter sagen, du lernst nie, wenn dein Mund offen ist. Das gilt auch für jene von uns, die höchst redegewandt sind.

Wenn du ein besserer Leiter werden willst, halte den Mund. Sprich weniger. Hör mehr zu. 

2. Sie stellen Fragen, statt Antworten zu geben.

Die besten Leiter stellen Fragen. Viele Fragen.

Wenn ich mich mit Top-Leitern unterhalte, ist es oft schwer, eine Frage einzuwerfen, weil sie mirständig Fragen stellen, obwohl ich (möglicherweise) viel mehr von ihnen lernen muss als sie von mir.

Kürzlich bekam ich eine E-Mail von einem Top-Podcaster, in der er mir eine Frage über meine Show stellte. Er hat wahrscheinlich dreimal so viel Downloads wie ich, aber er ist immer bestrebt zu lernen, zu wachsen und sich zu korrigieren.

Was ihn natürlich zu dem großartigen Leiter macht, als den viele (einschließlich mir) ihn sehen.

Gute Leiter sind schneller damit, Fragen zu stellen, als Antworten zu geben.

3. Sie reden nicht über sich selbst.

Manchmal triffst du einen Leiter der Weltklasse und bist dir dessen nicht einmal bewusst. Warum? Weil er nicht damit prahlt, wie gut er ist. Später googelst du ihn dann und findest heraus, dass er eine ganze Reihe von Bestsellern geschrieben hat, eine hohe Leiterposition innehat und ein gefragter Experte ist.

Wenn du Leiter triffst, die dir sagen, wie großartig sie sind, sind sie es normalerweise nicht. Großartige Leiter ehren andere, nicht sich selbst.

4. Sie interessieren sich für andere, statt sie als Trittstein zu benutzen.

In einer Menschenmenge ist es nicht schwer, die Emporkömmlinge auszumachen.

Sie sehen nicht nur über dich hinweg, um herauszufinden, ob noch wichtigere Menschen im Raum sind, mit denen sie in Kontakt treten sollten, sondern scheinen auch weniger an dir persönlich interessiert zu sein als daran, was du für sie tun kannst.

Nach meiner Erfahrung gelangen wirklich großartige Leiter nicht an die Spitze, weil sie andere benutzen, um vorwärts zu kommen, sondern weil sie auf andere zugehen. Sie interessieren sich für andere Menschen. Sie lernen von ihnen. Sie hören zu.

Natürlich kann man auch an die Spitze gelangen, indem man sich an die richtigen Menschen hält, aber die wahrhaft großen Leiter benutzen andere nicht als Trittstein. Stattdessen entspringt ihre Größe dem Wunsch, mit ihnen in Kontakt zu treten.

Sie interessieren sich für dich, ganz gleich wie viel oder wenig du zu bieten hast.

Und ist das nicht ohnehin die Art von Leiter, die du um dich herum haben willst?

5. Sie leisten einen Beitrag, statt zu kritisieren.

Es war nie einfacher, andere zu kritisieren als heute, und jetzt, wo jeder ein Smartphone und Follower hat, tun es mehr Menschen denn je.

Gute Leiter nehmen sich nie die Zeit, zu kritisieren. Warum? Weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, ihren Beitrag zu leisten.

Du hast die Wahl im Leben: Du kannst ein Kritiker oder ein Beitragender sein. Auf lange Sicht wirst du nicht in der Lage sein, beides zu tun.

Das bedeutet nicht, dass du die Dinge nicht kritisch betrachten oder gelegentlich etwas kritisieren solltest, aber es bedeutet, dass deine Meinung und deine Kommentare dir helfen sollten, zu formen, was du gerade aufbaust.

Das Problem vieler Kritiker heute ist, dass sie nichts bauen.

Vielleicht hältst du dagegen, dass sie versuchen, ihre Selbstachtung aufzubauen oder durch ihren Negativismus an Bedeutung zu erlangen.

Aber gute Leiter sind sich darüber im Klaren, dass man sich nicht selbst aufbauen kann, indem man andere Menschen herabsetzt.

Das bestätigt sich auch, wenn man mit Top-Leitern spricht. Sie verbringen kaum Zeit damit, andere zu kritisieren. Das ist einfach nicht ihre Art.

Du musst also wirklich eine Entscheidung treffen. Willst du einen Beitrag leisten, oder willst du kritisieren?

Teddy Roosevelts Gedanken über den Mann in der Arena sind es wert, wiederholt zu werden:

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt; nicht der Mann, der darauf hinweist, wie der starke Mann stolpert oder was jemand, der zur Tat geschritten ist, hätte besser machen können. Die Ehre gebührt dem Mann in der Arena, dessen Gesicht mit Staub und Schweiß und Blut verschmiert ist; der tapfer kämpft; der sich irrt, der wieder und wieder den Kürzeren zieht, weil es keine Mühe ohne Irrtum und Unzulänglichkeiten gibt; der aber danach strebt, etwas zu tun; der großen Enthusiasmus und große Hingabe kennt; der in einer lohnenden Angelegenheit aufgeht; der am Ende bestenfalls den Triumph hoher Leistungen erfährt, und der schlimmstenfalls, wenn er versagt, zumindest versagt, während er Großes wagt, sodass er nie zu jenen kalten und verzagten Seelen gehört, die weder Sieg noch Niederlage kennen.“

Wenn du ein guter Leiter werden willst, hör auf zu kritisieren und fang an, deinen Beitrag zu leisten.

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Carey Nieuwhof ist Hauptpastor der Connexus Community Church of Toronto, Kanada und hält Vorträge auf Konferenzen und in Gemeinden zu den Themen: Leiter und ihre Führungsqualitäten, Familien, Kindererziehung und persönliche Wiederherstellung. Mehr unter:  www.careynieuwhof.com