In unserer Gemeinde ist jeder willkommen, aber vielleicht ist für die speziellen Bedürfnisse mancher Menschen eine andere Gemeinde besser geeignet. Dieser Gedanke löst leicht Unbehagen in uns aus. Kannst du zu jemandem Nein sagen, auch wenn das möglicherweise zur Folge hat, dass er deine Gemeinde verlässt?

Es ist eine Gratwanderung, den Menschen einerseits Liebe und Fürsorge zuteilwerden zu lassen, aber andererseits nicht zuzulassen, dass jemand seine persönliche Agenda durchsetzt oder gar die Zielsetzung deiner Gemeinde bestimmt. Das ist ein wirkliches Problem und erfordert eine geschickte Leiterschaft. Wie Hirten, die keines ihrer Schafe verlieren wollen, hassen wir es, wenn auch nur eine Person der Gemeinde den Rücken kehrt. Aber manchmal ist das in Ordnung.

Die Gemeinde ist nicht dafür da, allen zu gefallen. Der Stil der Predigten und der Anbetung kann nicht jeden zufriedenstellen. Dein Ansatz für den Jugenddienst wird nicht bei allen Eltern Anklang finden. Und, zum Kuckuck, deine bevorzugte Kaffeesorte kann manche Menschen auf die Palme bringen!

Die Gemeinde existiert nicht, um all die Programme zu liefern, die sich ihre Besucher erträumen. Würden wir alles tun, worum wir gebeten werden, hätten wir Dutzende von Sparten, von einer Baseball-Liga bis hin zum Erste-Hilfe-Kurs.

Du kannst nicht über alles predigen, was nach der Vorstellung deiner Gemeindemitglieder wichtig ist. Manchmal musst du einfach Nein sagen. Die Ideen, die deine Gemeindemitglieder an dich herantragen, mögen alle gut und wertvoll sein, aber die Gemeinde sollte nicht alle davon umsetzen, und sie kann es auch nicht. Keine Gemeinde kann alles tun. Das ist einfach unmöglich. Deshalb muss das, was eine Gemeinde tut, sorgfältig und strategisch durchdacht und im Gebet geprüft werden.

Viele der Dinge, um die dich deine Besucher bitten, gibt es bereits irgendwo in der Stadt. Ermutige deine Gemeinde, sich in den örtlichen Einrichtungen und Vereinen der Stadt zu engagieren und Jesus dorthin mitzunehmen!

Hier sind 3 Prinzipien, die dir helfen können, diese sensiblen Angelegenheiten zu meistern:

 

  1. Liebe alle Menschen, aber stelle dich auf niemanden ein. Jesus diente allen, denen zu dienen der Vater ihm auftrug. Wir sollten nicht weniger tun. Aber der Vater wies Jesus nie an, allen zu dienen, solange er hier auf der Erde war.

    Eine der Geschichten in der Bibel, die das veranschaulichen, finden wir in Johannes, Kapitel 11. Marias und Marthas Bruder Lazarus war krank und lag im Sterben. Die beiden Schwestern baten Jesus inständig, zu ihnen zu kommen und ihn zu heilen, aber Jesus blieb noch zwei weitere Tage, wo er war. Ich bin mir sicher, dass sie das in diesem Moment nicht verstanden. Wahrscheinlich waren sie aufgebracht. Jesus liebte Lazarus, Maria und Martha, aber er blieb ganz bewusst, wo er war.

    Die Tatsache, dass es in der Gemeinde um Menschen geht, führt oft zu Spannungen. Aber Jesus ließ nie verlauten, dass der Zweck seines Reichs für die örtliche Gemeinde darin bestand, sich den individuellen Wünschen eines jeden Menschen zu fügen. Behalte den größeren Auftrag im Sinn.

  2. Führe dir klar vor Augen, wozu Gott dich berufen hat, und mache keinen Rückzieher. Du kannst nicht alles tun, deshalb sieh zu, dass du das, was du machst, gut machst. Halte die Liste deiner Dienste kurz. Konzentriere dich auf die Hauptsache – auf das, wozu Gott dich berufen hat.

    Geh strategisch vor. Setze Ressourcen klug ein. Höre aufmerksam auf die Hinweise des Heiligen Geistes. Ich bin davon überzeugt, dass Gott dir nicht mehr aufträgt, als deine Zeit erlaubt. Wenn du zu viel zu tun hast, tust du vielleicht etwas, das Gott nicht von dir braucht.

    Bete, bis du weißt, was Gott will. Gott ist nicht der Urheber von Verwirrung und Spaltung. Wenn zwischen den Leitern Uneinigkeit herrscht, betet und übt euch in gegenseitiger Unterordnung. Wenn ihr euch einig seid und euch auf Gottes Ziel und Plan für euren Dienst ausgerichtet habt, seid mutig. Macht keinen Rückzieher.

    Ich mag die Geschichte im Buch Nehemia, in der Sanballat und Geschem Nehemia eine Nachricht schickten, in der sie ihn um ein Treffen baten. Nehemia antwortete, dass er gerade an einem großen Projekt arbeitete und nicht kommen konnte. Er fragte: „Warum sollte das Werk stillstehen, wenn ich es ruhen lasse und zu euch hinabkomme?“ Sie drängten ihn vier Mal, sich mit ihnen zu treffen, aber Nehemia gab nicht nach. Er ließ sich nicht von den Plänen anderer von den seinen abbringen (Nehemia 6,1-4).

  3. Gewöhne dich an den Gedanken, dass das Reich Gottes größer ist als deine Gemeinde. Ich nahm es früher immer persönlich, wenn jemand die Gemeinde, die ich liebte und der ich diente, verließ. Selbst heute versetzt mir das noch manchmal einen Stich, aber ich habe erkannt, dass das Reich Gottes viel größer ist als meine Gemeinde.

    Die Botschaft von Jesus Christus ist für jeden, aber deine Gemeinde ist nicht für jeden die beste, und das ist in Ordnung. Natürlich stehen deine Türen jedem offen. Jeder ist willkommen, aber du kannst die große Vielfalt der Nöte und Wünsche im Leib Christi nicht alle erfüllen.

    Es ist ganz normal, dass du enttäuscht bist, wenn ein langjähriges Mitglied der Gemeinde sie plötzlich verlässt, oder wenn jemand, der deine Gemeinde eine Zeitlang besucht hat, nicht bleibt. Nimm das nicht persönlich. Genauso wie du gelegentlich jemandem ein Nein zur Antwort geben musst, können auch andere Nein zu dir sagen.

    Wenn du versuchst, es allen recht zu machen, wirst du am Ende eine viel kleinere Gemeinde haben, als sie es sein könnte, wenn du weißt, wer du bist und wozu du berufen bist, und das gut machst. Wenn eine Familie die Gemeinde verlässt, liebe sie trotzdem und lass sie wissen, dass sie jederzeit willkommen sind, zurückzukehren, wenn Jesus es ihnen sagt – auch dann, wenn sie nicht vollkommen mit dir übereinstimmen.

    Wenn du bist wie ich, willst du so viele Bedürfnisse stillen, wie du nur kannst, und würdest gerne jeder Bitte entsprechen. Aber es gibt Zeiten, in denen du zu Bitten, Vorlieben und Forderungen Nein sagen musst. Das mag zur Folge haben, dass manche Menschen der Gemeinde den Rücken kehren, aber halte dennoch an dem Auftrag fest, den Gott dir gegeben hat, und bleibe auf deinem Kurs.

Hier findest du den Originalartikel

Dr. Dan Reiland ist Executive Pastor in der 12 Stone Church in Lawrenceville in Georgia. Vorher arbeitete  er 20 Jahre lang mit John Maxwell zusammen, zuerst als Executive Pastor in der Skyline Wesleyan Church in San Diego, danach als Vizepräsident für Leiterschaft und Gemeindeentwicklung bei INJOY. Dan’s blog: http://danreiland.com